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VOXELIA 3D

Grundlagen-Guide · Vermessung & GIS

DGM vs. DOM – Digitales Höhenmodell erklärt

Was ist der Unterschied zwischen einem Digitalen Geländemodell (DGM), einem Digitalen Oberflächenmodell (DOM) und einem normierten Oberflächenmodell (nDOM)? Wie entstehen diese Modelle aus Drohnen-Photogrammetrie, welche Genauigkeiten sind realistisch – und wann brauchen Sie welches Modell?

  • 12 Min. Lesezeit
  • Voxelia 3D
  • Deutschland & DACH
  • ±2 cmVertikale Genauigkeit

    Drohne RTK/GCP

  • DIN 18716Normierung DHM

    Oberbegriff DGM+DOM

  • GeoTIFFStandardformat

    Rastermodell

DHM, DGM und DOM – Was bedeuten diese Begriffe?

Digitales Höhenmodell (DHM), Digitales Geländemodell (DGM) und Digitales Oberflächenmodell (DOM) bezeichnen drei eng verwandte, aber klar unterschiedliche Konzepte. Die Abkürzungen werden in der Praxis oft verwechselt – dabei ist die Unterscheidung für die richtige Anwendung entscheidend.

Das Digitale Höhenmodell (DHM) ist laut DIN 18716 der Oberbegriff für alle Modelle, die Höheninformationen der Erdoberfläche numerisch beschreiben. Das DHM umfasst sowohl das DGM als auch das DOM und entspricht dem englischen Begriff DEM (Digital Elevation Model).

Das Digitale Geländemodell (DGM) beschreibt ausschließlich die nackte Erdoberfläche – also das Terrain ohne Gebäude, Vegetation oder sonstige künstliche Aufbauten. Im Englischen entspricht das dem DTM (Digital Terrain Model). Das DGM zeigt, wie das Land tatsächlich geformt ist, wenn man alle Objekte darauf entfernt.

Das Digitale Oberflächenmodell (DOM) erfasst die Erde inklusive aller Objekte, die sich auf ihr befinden: Gebäude, Bäume, Brücken, Masten, Fahrzeuge. Es entspricht dem englischen DSM (Digital Surface Model) und ist das unmittelbare Ergebnis einer Drohnen-Photogrammetrie oder LiDAR-Befliegung.

Das Normierte Digitale Oberflächenmodell (nDOM) ergibt sich aus der Differenz DOM minus DGM und zeigt die Höhe aller Objekte über dem Boden. Ein Baum mit 15 m Wuchshöhe erscheint im nDOM als 15 m hohe Erhebung, auch wenn er auf einem Hang steht. Das nDOM ist besonders nützlich für die Baumhöhenkartierung, Verschattungsanalyse und Stadtplanung.

Von der Drohne zum Höhenmodell – der Workflow

Eine Drohne mit Kamera und aktiviertem RTK-GNSS oder mit Bodenkontrollpunkten (GCP) fliegt das Gebiet in parallelen Bahnen mit 70–80 % Längs- und 60–70 % Seitenüberlappung ab. Je höher die Auflösung am Boden (GSD), desto detaillierter werden die späteren Modelle – typisch sind 2–5 cm GSD für hochgenaue Geodaten.

Aus den überlappenden Bildern berechnet die Photogrammetrie-Software (Agisoft Metashape, Pix4D oder OpenDroneMap) zunächst eine dichte Punktwolke via Structure-from-Motion (SfM) und Multi-View-Stereo (MVS). Diese Punktwolke enthält Millionen von georeferenzierten 3D-Punkten – alle Objekte der Szene werden zunächst gemeinsam erfasst.

Das erste Ergebnis ist immer ein DOM: Die Punktwolke enthält Dachflächen, Baumkronen, Zäune, Masten – alles, was die Kamera "sieht". Aus dieser Punktwolke wird direkt das Digitale Oberflächenmodell interpoliert, meist als GeoTIFF-Raster mit der gewählten Auflösung.

Das DGM entsteht erst im zweiten Schritt durch Klassifizierung und Ground-Filterung der Punktwolke. Dabei werden "Bodenpunkte" von "Nicht-Boden-Punkten" getrennt. Nur die Bodenpunkte fließen in das DGM ein. Für Gebiete mit dichter Vegetation ist dieser Schritt besonders anspruchsvoll, da die Kamera den Boden unter dem Blätterdach kaum sieht – hier ist LiDAR im Vorteil.

Senkrechte Draufsicht eines echten, texturierten Gebäudemodells
Draufsicht · echtes ModellSenkrechte Draufsicht eines echten, aus Drohnenfotos rekonstruierten Modells — Ausgangsdaten für DOM und DGM.

Punktwolken-Klassifizierung und Ground-Filterung

Die Ground-Filterung ist der zentrale Prozess zur Ableitung eines DGM aus einer photogrammetrischen Punktwolke. Gängige Algorithmen sind der CSF (Cloth Simulation Filter) nach Zhang et al. (2016), der Progressive TIN Densification (PTD) Algorithmus sowie der Multiscale Curvature Classification (MCC) Algorithmus.

Der CSF-Algorithmus simuliert ein virtuelles Tuch, das sich von oben auf die invertierte Punktwolke legt. Punkte, die das Tuch berühren, werden als Bodenpunkte klassifiziert. Die Rigidität des Tuches und die Auflösung des Simulationsrasters sind die entscheidenden Parameter – weicheres Tuch für hügeliges Terrain, härteres für flache Bereiche.

Nach der Klassifizierung werden die Bodenpunkte zu einem regelmäßigen Raster interpoliert (IDW, Kriging oder TIN-Triangulation), woraus das finale DGM-Raster entsteht. Die Punktwolken-Klassifizierung ist in Agisoft Metashape, Pix4D, CloudCompare (kostenlos) und PDAL (Open Source) möglich.

Wichtig: Die Qualität des DGM hängt direkt von der Dichte der Bodenpunkte ab. Auf versiegelten Flächen (Parkplätze, Straßen) ist die Klassifizierung trivial. Auf landwirtschaftlichen Feldern, Freiflächen oder Baustellen liefert sie exzellente Ergebnisse. In dicht bewaldeten Gebieten kann die photogrammetrische DGM-Ableitung unzuverlässig werden.

DGM vs. DOM vs. nDOM – der strukturierte Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die drei Modelltypen nach den für die Praxis relevanten Kriterien zusammen:

BezeichnungDGM (DTM)DOM (DSM)nDOM (nDSM)
Enthält GebäudeNeinJaAls Höhe
Enthält VegetationNeinJaAls Höhe
ErzeugungKlassifizierung nötigDirekt aus PunktwolkeDOM − DGM
EntwässerungsplanungIdealUngeeignetNicht relevant
Verschattungsanalyse PVUngeeignetIdealErgänzend
BIM-GeländeintegrationIdealBedingt geeignetNicht relevant
Baumhöhen-KartierungNicht möglichGrundlageDirektes Ergebnis
Englischer BegriffDTMDSMnDSM

Genauigkeit und Qualitätsstufen

Die erreichbare Genauigkeit hängt von Flughöhe, GSD, Georeferenzierungsmethode (RTK oder GCP) und dem Gelände ab. Als Faustregel gilt laut Pix4D: Die relative Lagegenauigkeit beträgt 1–2× GSD horizontal (X/Y) und 2–3× GSD vertikal (Z). Bei einem GSD von 2 cm bedeutet das theoretisch ±2–4 cm horizontal und ±4–6 cm vertikal.

In der Praxis erreicht eine Drohne mit RTK-GNSS (z. B. DJI Phantom 4 RTK, M350 RTK) und ohne GCPs absolute Genauigkeiten von ±3–5 cm horizontal und ±5–8 cm vertikal. Mit zusätzlichen GCPs, die per GNSS-Rover eingemessen wurden, sind ±1–2 cm horizontal und ±2–3 cm vertikal realistisch – diese Werte wurden in mehreren unabhängigen Validierungsstudien bestätigt.

Die staatlichen DGMs der Bundesländer (über die Landesvermessungsämter) sind in folgende Qualitätsstufen gegliedert: DGM1 (Gitterweite 1 m, Genauigkeit ±15 cm auf offenem Gelände, ±30 cm in bewaldetem Terrain), DGM2 (Gitterweite 2 m), DGM5 (Gitterweite 5 m, Genauigkeit ±1 m, abgeleitet aus DGM1). Die AdV (Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen) regelt die Spezifikation über den ATKIS-Objektkatalog.

Drohnen-DGMs übertreffen staatliche DGM1-Daten in der Regel deutlich: Mit RTK und GCPs werden Genauigkeiten von ±2–5 cm vertikal erreicht gegenüber ±15 cm beim DGM1. Für die meisten Anwendungen in Bau, PV-Planung und BIM ist das Drohnen-DGM daher die präzisere Wahl – allerdings nur für das konkrete Projektgebiet, nicht flächendeckend.

Ausgabeformate und Software

Digitale Höhenmodelle werden in verschiedenen Formaten bereitgestellt, abhängig vom Anwendungsfall. Die wichtigsten sind:

GeoTIFF ist das universelle Rasterformat für DGM und DOM. Jedes Pixel enthält einen Höhenwert und das Koordinatensystem ist im Dateiheader kodiert. GeoTIFF wird von QGIS, ArcGIS, AutoCAD (via Plugin), Revit (via Add-in) und praktisch jeder GIS- und BIM-Software gelesen.

LAS und LAZ sind die Standardformate für Punktwolken (LAS = unkomprimiert, LAZ = komprimiert mit verlustloser Kompression). In diesen Dateien sind die klassifizierten Bodenpunkte (Klasse 2 im ASPRS-Standard) von Vegetation (Klasse 3–5), Gebäuden (Klasse 6) und anderen Objekten getrennt. CloudCompare, LAStools und PDAL lesen und schreiben LAS/LAZ.

XYZ- und ASCII-Raster sind einfache Textdateien mit drei Spalten (X, Y, Z-Koordinate) und werden von vielen CAD-Programmen (AutoCAD, BricsCAD, ZWCAD) direkt importiert. Für große Flächen sind sie jedoch sehr speicherintensiv.

DXF/DWG als TIN-Netz oder Höhenpunkte-Cloud sind der bevorzugte Übergabeweg an CAD-Teams, die in AutoCAD, Civil 3D oder ArchiCAD arbeiten. Voxelia liefert DGM-Daten standardmäßig als GeoTIFF und auf Anfrage als DXF/DWG mit klassifizierten Schichten.

Für die Weiterverarbeitung in BIM (Revit, ArchiCAD) wird das DGM häufig als IFC-Terrain oder RVT-Toposurface übergeben. Der Import erfolgt über das Koordinatensystem des Projekts und erfordert eine korrekte CRS-Zuordnung (z. B. ETRS89/UTM32N in Deutschland).

Anwendungsfälle – wann welches Modell?

Die Wahl zwischen DGM und DOM richtet sich nach dem Anwendungsfall. Beide Modelle haben klar definierte Stärken – häufig werden sie kombiniert.

PV-Planung und Verschattungsanalyse: Hier ist das DOM das entscheidende Modell. Es zeigt nicht nur das Dach selbst, sondern auch benachbarte Gebäude, Schornsteine, Antennen und Bäume, die Schatten werfen. Solarplanungssoftware wie PV*SOL Premium, PVcase und Polysun importieren DOM-Daten als 3D-Geländehintergrund für die Ertragsberechnung. Das DGM ist für Dachflächen-PV unerheblich, da das Dach selbst Teil des DOM ist.

Freiflächenanlagen (Agri-PV, Freiflächen-PV): Hier wird das DGM benötigt, um das tatsächliche Gefälle und die Entwässerungssituation des Geländes zu beurteilen. Das DOM enthält in diesem Kontext kaum relevante Objekte außer dem Terrain selbst – in der Praxis stimmen DGM und DOM auf offenen Feldern fast überein.

Bauprojekte, Erdmassen und Volumenberechnung: Das DGM liefert die Geländeoberfläche vor dem Bau (Bestandsaufnahme). Nach Abschluss der Erdarbeiten wird ein zweites DGM erstellt. Die Differenz der beiden DGMs ergibt das Auf- und Abtragsvolumen – ein Verfahren, das deutlich schneller und kostengünstiger als traditionelle Tachymetrie ist.

BIM-Integration: In BIM-Projekten (Revit, ArchiCAD, Vectorworks) wird das DGM als georeferenziertes Geländemodell (IFC IfcSite oder Revit Toposurface) in das Projektmodell eingebettet. Das DOM wird ergänzend verwendet, um umgebende Bebauung abzubilden. Die Verbindung von BIM und präzisem Drohnen-DGM ist ein zentraler Baustein des Digitalen Zwillings.

Hochwasserschutz und Entwässerungsplanung: Das DGM ist die ausschließliche Grundlage für hydrologische Berechnungen. Abflussmodelle (z. B. in SWMM, HYSTEM-EXTRAN) benötigen das Terrain ohne Bebauung. Ein DOM würde Gebäudedächer fälschlicherweise als Wasserpeaks interpretieren und die Simulation verfälschen.

Stadtplanung und Baumhöhenkartierung: Das nDOM zeigt alle Objekte mit ihrer wahren Höhe über dem Boden. Forstbehörden, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten nutzen es zur Erfassung von Baumbeständen, Dachaufbauten und technischen Anlagen. Aus dem nDOM lassen sich direkt Baumhöhen, Kronendurchmesser und Freiflächenvolumen ableiten.

Häufige Fragen zu DGM, DOM und Höhenmodellen

Was ist der Unterschied zwischen DGM und DOM?
Ein DGM (Digitales Geländemodell) zeigt die nackte Erdoberfläche ohne Gebäude und Vegetation – das reine Terrain. Ein DOM (Digitales Oberflächenmodell) zeigt die Erdoberfläche inklusive aller darauf befindlichen Objekte: Gebäude, Bäume, Masten, Fahrzeuge. Das DOM ist das direkte Ergebnis einer Drohnenbefliegung, das DGM wird durch Ground-Filterung der Punktwolke abgeleitet.
Was bedeutet DHM?
DHM steht für Digitales Höhenmodell und ist gemäß DIN 18716 der Oberbegriff für alle Modelle, die Höheninformationen beschreiben – also sowohl DGM als auch DOM. Im Englischen entspricht das dem DEM (Digital Elevation Model).
Welche Genauigkeit erreicht ein Drohnen-DGM?
Mit RTK-Drohne und Bodenkontrollpunkten (GCP) sind in der Praxis ±2–3 cm horizontal und ±3–5 cm vertikal erreichbar. Das übertrifft staatliche DGM1-Daten (±15 cm) deutlich. Ohne GCPs liegt die Genauigkeit bei ±3–8 cm vertikal, abhängig von der Drohne und den Bedingungen.
Welches Format wird für DGM und DOM geliefert?
Der Standard ist GeoTIFF als Rastermodell (geeignet für GIS, BIM, Solarplanung). Für CAD-Teams wird DXF/DWG mit TIN-Netz oder Höhenpunkte-Cloud geliefert. Die zugrundeliegende Punktwolke wird in LAS/LAZ bereitgestellt. Das Koordinatensystem in Deutschland ist standardmäßig ETRS89/UTM32N (EPSG:25832).
Wofür brauche ich ein DGM bei PV-Freiflächenanlagen?
Für Freiflächenanlagen zeigt das DGM das tatsächliche Geländegefälle, Senken und Hänge – entscheidend für Entwässerung, Modulneigung und Tragwerksplanung. Auf offenem Gelände ohne Bäume und Gebäude sind DGM und DOM nahezu identisch. Für Dach-PV ist das DOM relevanter.
Kann ich staatliche DGM1-Daten statt einer eigenen Drohnenbefliegung nutzen?
Staatliche DGM1-Daten der Landesvermessungsämter sind für Vorstudien und Standortanalysen ausreichend – sie sind meist kostenlos oder günstig verfügbar. Für Ausführungsplanung, Bauanträge und Volumenberechnungen sind Drohnen-DGMs mit ±2–5 cm Genauigkeit gegenüber ±15 cm der DGM1-Daten jedoch klar überlegen.
Was ist ein normiertes Digitales Oberflächenmodell (nDOM)?
Das nDOM (normiertes DOM) ergibt sich aus DOM minus DGM und zeigt die Höhe aller Objekte über dem Boden in absoluten Metern. Ein 20 m hoher Baum erscheint im nDOM als 20 m hohe Fläche – unabhängig davon, ob er auf einer Kuppe oder in einer Senke steht. Es wird für Baumhöhenkartierung, Stadtplanung und Verschattungsanalysen genutzt.
  • DGM
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