Ratgeber · Architektur & Sanierung

Bestandsaufnahme per Drohne

Bestandspläne, Aufmaße und Baudokumentationen mit Drohnen-Photogrammetrie: schneller, sicherer und genauer als das manuelle Aufmaß – mit direktem Handoff zu CAD, BIM und Revit.

13 Min.Voxelia 3D
±2 cmRTK-Genauigkeitabsolut georeferenziert
80 %Zeitersparnisvs. manuelles Aufmaß
ab €290BestandsaufnahmeEinfamilienhaus Außen
Bestandsaufnahme per Drohne – Punktwolke und Bestandsplan eines Gebäudes

Drohnen-Punktwolke eines Mehrfamilienhauses: Basis für Bestandsplan, BIM-Modell und Fassadendokumentation

Was ist eine Bestandsaufnahme?

Die Bestandsaufnahme erfasst den tatsächlichen Ist-Zustand eines Gebäudes oder Geländes als Grundlage für Planung, Sanierung, Umbau oder Übergabe. Im deutschen Planungsrecht ist sie in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) als Besondere Leistung explizit aufgeführt – insbesondere in §34 für Gebäude und Innenräume sowie §43 für Ingenieurbauwerke.

Traditionell wird das Aufmaß mit Maßband, Laser-Distanzmesser und Handskizzen durchgeführt. Das ist zeitaufwendig, fehleranfällig und bei großen oder schwer zugänglichen Gebäuden wie Industriehallen, Denkmälern oder Fassaden mit Gerüst verbunden. Drohnen-Photogrammetrie ändert dieses Verfahren grundlegend: Statt stundenlanger Vor-Ort-Messung liefert ein Drohnenflug von 30–90 Minuten eine lückenlose, millimetergenaue Punktwolke des gesamten Außenbereichs.

Das Ergebnis ist kein einfaches Foto, sondern ein dreidimensionales, maßstabsgetreues Datenmodell. Daraus lassen sich Bestandspläne in DXF/DWG, georeferenzierte Punktwolken im RCP-Format für Autodesk ReCap, BIM-ready IFC-Dateien oder klassische Orthofotos ableiten – alles in einem einzigen Prozessschritt.

HOAI – Bestandsaufnahme als Besondere Leistung

Gemäß HOAI 2021 §34 gilt die Bestandsaufnahme (Aufmaß, zeichnerische Darstellung) als Besondere Leistung. Sie wird zusätzlich zum Grundhonorar vergütet und ist bei Sanierungen und Umbauten ein regulärer Bestandteil der Beauftragung.

Vorteile der Drohnen-Methode gegenüber klassischem Aufmaß

Das manuelle Aufmaß stößt bei komplexen Gebäuden schnell an seine Grenzen: Steile Dächer, hohe Fassaden, unzugängliche Dachlandschaften oder weitläufige Industrieanlagen erfordern Gerüste, Hubarbeitsbühnen oder sind schlicht nicht lückenlos manuell erfassbar. Drohnen-Photogrammetrie liefert demgegenüber eine vollständige, berührungslose Erfassung aus der Luft.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Kombination aus Geschwindigkeit und Genauigkeit: Ein Einfamilienhaus ist in 20–40 Minuten vollständig geflogen, ein Mehrfamilienhaus mit komplexer Dachlandschaft in 60–90 Minuten. Die erzielte absolute Lagegenauigkeit von ±2–3 cm mit RTK-GNSS übertrifft in der Fläche das klassische Aufmaß, das bei langen Maßketten durch Fehlerfortpflanzung häufig schlechter abschneidet. Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt: Kein Aufstieg auf Dächer oder Gerüste, keine Gefährdung von Personal.

Ein weiterer Vorteil ist die Reproduzierbarkeit: Die Rohdaten (Bilder, Punktwolke, Orthofoto) bleiben archiviert und können jederzeit neu ausgewertet werden. Damit entsteht eine lückenlose Baudokumentation, die bei Streitigkeiten, Versicherungsfällen oder späteren Umbauten unmittelbar verfügbar ist.

KriteriumDrohnen-BestandsaufnahmeKlassisches Aufmaß
Erfassungszeit Einfamilienhaus20–40 Min. Flug4–8 Std. vor Ort
Absolute Lagegenauigkeit±2–3 cm (RTK)±1–5 cm (fehleranfällig bei Maßketten)
Zugänglichkeit Steildachvollständig, berührungslosGerüst oder Hubarbeitsbühne nötig
AusgabeformateDXF, RCP, IFC, OBJ, OrthofotoHandskizze, Einzelmaße
Reproduzierbarkeitjederzeit, aus Rohdaten neu ableitbarnicht reproduzierbar
Personaleinsatz1 Pilot + Nachbearbeitung2–3 Personen vor Ort
Sicherheitsrisikokein AbsturzrisikoAbsturzgefahr bei Dach / Gerüst

Workflow: Vom Drohnenflug zum fertigen Bestandsplan

Der Prozess gliedert sich in vier klar abgegrenzte Phasen. In der Flugplanung werden Überlappungsgrad, Flughöhe, GSD (Ground Sample Distance) und Georeferenzierungsmethode festgelegt. Für eine Bestandsaufnahme mit Planungsanspruch empfiehlt sich ein GSD von 1–2 cm und eine frontale Überlappung von mindestens 80 %, seitlich mindestens 70 %. Mit RTK-GNSS entfällt die Notwendigkeit von Bodenkontrollpunkten (GCPs), was den Aufwand vor Ort erheblich reduziert.

Nach dem Drohnenflug erfolgt die Bildverarbeitung in Photogrammetrie-Software. Die Software berechnet aus den überlappenden Einzelaufnahmen zunächst eine dichte Punktwolke (Dense Point Cloud), anschließend ein texturiertes 3D-Mesh sowie ein georeferenziertes Orthofoto. Gängige Programme sind Agisoft Metashape, Pix4Dmapper und RealityCapture – alle drei unterstützen den Export in die weiterverarbeitungsfähigen Formate LAS/LAZ (Punktwolke), OBJ, DXF und GeoTIFF.

Im dritten Schritt wird die Punktwolke bereinigt und klassifiziert: Vegetation, Fahrzeuge und bewegliche Objekte werden entfernt, Gebäudeflächen, Dach und Boden werden als separate Klassen gekennzeichnet. Aus der bereinigten Punktwolke lassen sich dann per Schnittebene horizontale und vertikale Schnittansichten ableiten, die direkt als Bestandsplangrundlage in AutoCAD, BricsCAD oder Revit importierbar sind.

Im letzten Schritt – dem eigentlichen Bestandsplan – werden aus den Punktwolkenschnitten Linienwerke vektorisiert: Außenwände, Dachkanten, Firstlinien, Dachflächenneigungen und Öffnungen werden als DXF/DWG-Ebenen angelegt. Für BIM-konforme Lieferungen wird das Modell in Revit als RVT weiterentwickelt oder direkt als IFC 2×3 / IFC 4 exportiert.

GSD und Planmaßstab

Für Bestandspläne im Maßstab 1:100 genügt ein GSD von 2–3 cm. Für 1:50 (Detailplanung, Denkmalschutz) sollte der GSD auf 1–1,5 cm reduziert werden. Das erfordert eine niedrigere Flughöhe und mehr Bildüberlappung.

Anwendungsbereiche der drohnengestützten Bestandsaufnahme

Sanierung und Modernisierung: Vor jeder energetischen Sanierung oder baulichen Erweiterung muss der Bestand präzise dokumentiert sein. Drohnenaufnahmen liefern Fassadenmaße, Dachgeometrien und Traufhöhen in einem Arbeitsgang – ohne dass ein Aufmaßtrupp das Gebäude besteigen muss. Die Daten fließen direkt in die Energieberatung (z. B. U-Wert-Berechnung nach DIN 4108) oder in die Ausführungsplanung ein.

Denkmalschutz und historische Bausubstanz: Für denkmalgeschützte Gebäude ist eine detaillierte Baudokumentation oft Voraussetzung für Umbaugenehmigungen und Fördermittel. Drohnen-Photogrammetrie liefert maßstabsgetreue Orthofotopläne aller Fassaden sowie dreidimensionale Punktwolken mit Materialerfassung – ideal für Restaurierungsplanungen nach den Empfehlungen des Deutschen Nationalkomitees ICOMOS.

Übergabedokumentation bei Bauprojekten: Am Ende eines Bauprojekts schafft eine drohnengestützte Bestandsaufnahme einen lückenlosen, datierten Nachweis des tatsächlichen Ausführungszustands. Das schützt Bauherren und ausführende Unternehmen gleichermaßen bei Gewährleistungsstreitigkeiten. Zusammen mit dem 3D-Viewer lassen sich die Dokumentationsdaten webbasiert teilen und archivieren.

Immobilienbewertung und Due-Diligence: Bei Verkauf oder Bewertung von Gewerbeimmobilien und Bestandsgebäuden ersetzt die Drohnen-Bestandsaufnahme aufwendige manuelle Flächen- und Massenermittlungen. Bruttogrundfläche (BGF), Bruttorauminhalt (BRI) und Gebäudehöhen lassen sich direkt aus dem 3D-Modell ableiten – nachvollziehbar und revisionssicher.

Innenräume: Grenzen der Drohne

Drohnen erfassen ausschließlich Außenflächen und Dachbereiche. Für Innenraumaufmaße (Grundrisse, Raumhöhen, Wandquerschnitte) sind terrestrische Laserscanner (z. B. Leica BLK360, Faro Focus) oder mobile Mapping-Systeme geeignet. Viele Projekte kombinieren beide Methoden für ein vollständiges Innen-/Außenmodell.

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Genauigkeit, Qualitätssicherung und Normen

Die erreichbare Genauigkeit drohnengestützter Bestandsaufnahmen hängt von drei Faktoren ab: Kamerasensor und Objektiv, Flughöhe bzw. GSD sowie Georeferenzierungsmethode. Mit RTK-GNSS (Real-Time Kinematic) werden absolute Lagegenauigkeiten von ±2–3 cm in der Fläche und ±3–5 cm in der Höhe erreicht. Diese Werte gelten unter üblichen Bedingungen ohne starke atmosphärische Störungen und mit ausreichend GNSS-Satellitensichtbarkeit.

Ohne RTK, d. h. nur mit GPS-Standardgenauigkeit, müssen Bodenkontrollpunkte (GCPs) eingemessen werden, um vergleichbare Absolutgenauigkeiten zu erzielen. GCPs sind physisch signalisierte Punkte im Gelände, deren genaue Koordinaten per DGNSS oder tachymetrisch bestimmt werden. Der Aufwand für GCP-Einmessung und -Signalisierung entfällt mit RTK vollständig, was RTK-Drohnen für Bestandsaufnahmen wirtschaftlich deutlich attraktiver macht.

Die relevante Norm für photogrammetrische Aufnahmen ist die VDI 2634 (Blätter 1–3), die Prüfverfahren und Genauigkeitsklassen für optische 3D-Messsysteme definiert. Für die architektonische Bestandsaufnahme sind zudem die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation (DGPF) relevant, insbesondere die Richtlinien für Genauigkeitsanforderungen und Qualitätsnachweise bei Bauvermessungen.

VDI 2634 – Genauigkeitsklassen

VDI 2634 Blatt 1 beschreibt das Prüfverfahren für flächenhafte Messsysteme und ist die Grundnorm für die Qualitätssicherung photogrammetrischer Erfassungen. Für HOAI-konforme Bestandsaufnahmen sollte der Auftragnehmer den Nachweis der erzielten Genauigkeit in Form eines Qualitätsberichts liefern.

Ausgabeformate für Architekten und Planer

Das Ergebnis einer drohnengestützten Bestandsaufnahme liegt je nach Anforderung in unterschiedlichen Formaten vor. Für die CAD-Weiterbearbeitung in AutoCAD, BricsCAD oder QCAD ist DXF/DWG das Standardformat: Die Vektordaten enthalten Linienwerke für Dachkanten, Außenwände, Firstlinien und Dachneigungen, strukturiert in Layern nach GAEB-Layerstandard oder projektspezifisch vereinbart.

Für BIM-Workflows in Revit oder ArchiCAD empfiehlt sich der Import der Punktwolke als RCP/RCS (Autodesk ReCap). Aus der Punktwolke können in Revit direkt Wände, Decken und Dachflächen als parametrische Revit-Elemente modelliert werden. Alternativ liefert der IFC-Export (IFC 2×3 oder IFC 4) ein BIM-ready Übergabeformat für alle gängigen Open-BIM-fähigen Programme.

Das georeferenzierte Orthofoto (GeoTIFF) ist das planungsrelevante 2D-Produkt: ein verzerrungsfreies, maßstabsgetreues Luftbild mit EPSG-Koordinatensystem (typisch ETRS89/UTM Zone 32N für Deutschland). Es kann direkt in GIS-Software (QGIS, ArcGIS) oder als Hintergrundplan in CAD-Applikationen importiert werden. Für Präsentationen und Übergabedokumentationen steht zudem ein WebGL-basierter 3D-Viewer-Link zur Verfügung, der ohne zusätzliche Software im Browser öffnet.

Format-Empfehlung nach Anwendungsfall

Sanierung/Umbau mit CAD: DXF/DWG. BIM-Projekt in Revit: RCP + IFC. Denkmalschutz-Dokumentation: Orthofoto (GeoTIFF) + OBJ-Mesh. Übergabedokumentation: 3D-Viewer-Link + PDF-Orthofotoplan.

Kosten der drohnengestützten Bestandsaufnahme

Die Kosten einer Drohnen-Bestandsaufnahme setzen sich aus Flugzeit, Nachbearbeitungsaufwand und gewähltem Ausgabeformat zusammen. Einfache Dokumentationen (Orthofoto + Punktwolke ohne CAD-Vektorisierung) sind deutlich günstiger als vollständige Bestandspläne mit DXF-Linienwerken und BIM-ready IFC-Lieferung.

Als Richtwerte gelten die nachfolgend aufgeführten Spannen. Diese beziehen sich auf Außenbereiche (Dach, Fassaden, Grundstück). Innenraumaufmaße mit terrestrischen Laserscannern sind separat zu beauftragen und typischerweise 3–5× teurer pro erfasstem Raum.

Im Vergleich zum klassischen Aufmaß amortisiert sich die Drohnenmethode bereits ab mittlerer Komplexität: Ein Aufmaßtrupp benötigt für ein Mehrfamilienhaus mit 6 Einheiten und komplexem Walmdach 2–3 Arbeitstage (inkl. Gerüstkosten) und kommt auf Gesamtkosten von €2.500–€5.000. Die Drohnenbestandsaufnahme liegt für dasselbe Objekt typischerweise bei €690–€990 – bei höherer Datendichte und reproduzierbaren Rohdaten.

Kostenoptimierung: Rohdaten selbst liefern

Wer bereits eine RTK-taugliche Drohne (z. B. DJI Mavic 3 Enterprise, DJI Phantom 4 RTK) betreibt, kann die Rohdaten selbst fliegen und nur die Nachbearbeitung und den CAD-Handoff beauftragen. Das reduziert den Gesamtpreis um 30–50 %.

Objekt / GebäudePreisLeistungsumfangLieferzeit
Einfamilienhaus (Außen)ab €290Orthofoto + Punktwolke + DXF-Dachkanten2–3 Werktage
Mehrfamilienhaus (4–8 WE)ab €490Orthofoto + Punktwolke + DXF-Bestandsplan3–4 Werktage
Gewerbe- / Industriegebäudeab €790Orthofoto + RCP-Punktwolke + DXF + IFC4–5 Werktage
Denkmalschutz-Objektab €990Orthofoto allseitig + OBJ-Mesh + DXF + Fotodokumentation5–7 Werktage
Großanlage / Industrieparkauf Anfrageindividuell nach Fläche und Detailgradnach Vereinbarung

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Häufige Fragen zur Bestandsaufnahme per Drohne

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